• Filialkirche Oberrußbach
Die Filialkirche Oberrußbach diente ursprünglich als Schlosskapelle der ehemaligen Burg. Ihre Grundmauern stammen aus dem 13. Jahrhundert. Das romanische Langhaus wurde um 1700 barockisiert, der gotische Chor entstand im 14. Jahrhundert. Geweiht ist die Kirche der heiligen Margareta.
Besonders sehenswert ist der Hochaltar von 1695 mit Opfergangsportalen. Auf den Flügeln sind Maria und der Engel der Verkündigung dargestellt. An der linken Seitenwand befindet sich ein gotisches Sakramentskästchen; außen ist ein romanisches Relieffragment eingemauert.
Bei der Innenrenovierung 2003–2006 wurden archäologische Grabungen durchgeführt. Dabei entdeckte man einen Vorgängerbau aus dem 12. Jahrhundert mit einer ungewöhnlich großen Apsis (5 m Durchmesser) aus Hollabrunner Schotterkonglomerat. Gefunden wurden außerdem mehrere Kinderbestattungen, eine vier Meter tiefe Vorratsgrube sowie insgesamt zwölf Grabgruben aus verschiedenen Jahrhunderten. Besonders bemerkenswert sind 21 Münzfunde aus dem 13.–18. Jahrhundert.
Im Zuge der Renovierung wurden Altar, Stühle, Decke, Chor und Boden erneuert sowie eine Sitzbankheizung eingebaut. Die Segnung der Kirche erfolgte am 17. April 2006 durch Msgr. Dr. Walter Mick.
Die Motive Maria Mercedes und Der Gute Hirte wurden der Filialkirche Oberrußbach von Missionar + Karl Trapp (1947–2019) gestiftet, der aus dem Ort stammte und viele Jahre als Priester in Ecuador wirkte.
Die Sage: TOTENMESSE ZU OBERRUSSBACH
Es begab sich in einer stürmischen Silvesternacht. Der Burgkaplan von Oberrußbach saß in seiner warm geheizten Kammer und las neugierig in der alten Pfarrchronik.
Er war ganz vertieft in die alten Zeiten, und die Gesichter so mancher Menschen, die schon lange nicht mehr lebten, zogen vor seinem geistigen Auge vorbei. So sehr war er in seinen Gedanken versunken, dass er gar nicht bemerkte, wie es in seinem Zimmer allmählich kühler und kühler wurde. Nur hin und wieder riss ihn der heftige Dezembersturm aus seiner Lektüre.
So vergingen die Stunden, bis er auf eine Stelle stieß, die ihn aufmerken ließ:
„Es ist keine Einbildung, sondern Wahrheit, dass in unserer Kirche zwischen zwölf und ein Uhr in der Silvesternacht alle versammelt sind, die im neuen Jahr sterben werden.“
Er wusste nicht recht, ob er den Worten glauben sollte. Während er noch überlegte, schlug die nahe Kirchturmuhr bereits zwölf Uhr. Deutlich hörte er die Glockenschläge und zählte sie mit. Dann hörte er aus der Kirche Orgeltöne und den Gesang des „Kyrie eleison“.
Neugierig nahm er seinen Mantel, setzte den Hut auf, ergriff eine Laterne und machte sich mit dem Kirchenschlüssel in der Hand auf den Weg. Rasch schritt er durch den Friedhof zur Kirche. Dort öffnete er die Tür – und sah zunächst gar nichts. Erst langsam gewöhnten sich seine Augen an die Finsternis, die nur vom schwachen Licht des Ewigen Lichtes erhellt wurde.
Da bemerkte er, dass die Kirchenbänke dicht mit Gestalten besetzt waren. Er erkannte den Richter, den Bäcker, den Schmied mit seiner Familie, den Burgherrn und viele andere vertraute Gesichter – und alle trugen weiße Totengewänder. Als er zum Altar blickte, sah er einen Priester – und beim genaueren Hinsehen erkannte er entsetzt sein eigenes Spiegelbild.
In diesem Moment schlug die Turmuhr ein Uhr – und der Spuk war mit einem Schlag vorbei.
Noch immer zitternd kehrte der Kaplan in seine Kammer zurück. Dort notierte er auf der letzten Seite der Chronik die Namen all jener, die er gesehen hatte – und zuletzt seinen eigenen.
Im Dorf verging ein Jahr. Viele Häuser standen leer, und große Trauer breitete sich aus. Am nächsten Silvestertag kamen nur wenige Menschen in die Kirche, um für das vergangene Jahr zu danken. Auch der Priester fehlte – denn der „Schwarze Tod“ hatte alle dahingerafft, die der Kaplan ein Jahr zuvor in der Silvesternacht gesehen hatte.
Quelle: Thomas Hofmann, „Das Weinviertel in seinen Sagen“, Weitra 2000, S. 152.